„KÖLN 1945: Alltag in Trümmern“

Ausstellung zur Kölner Nachkriegszeit wird eröffnet

 

Seit Samstag kann die Sonderausstellung „KÖLN 1945: Alltag in Trümmern“, die ursprünglich schon im  November 2020 eröffnet werden sollte, endlich der Öffentlichkeit präsentiert werden. Dem Museumsteam ist es zudem gelungen, die Laufzeit bis zum 27. Juni 2021 zu verlängern.

Die Ausstellung „KÖLN 1945. Alltag in Trümmern“ lässt – mit beeindruckenden Objekten, historischen Fotos und Filmen – den Alltag in Köln von 1945 bis 1948 lebendig werden.

Ein zerstörerischer Krieg und eine traumatisierte Stadt

Mit dem Einmarsch der US-Truppen in das linksrheinische Köln endet am 6. März 1945 für die dort lebenden Menschen der Zweite Weltkrieg. Nach zwölf Jahren Nationalsozialismus und fast sechs Jahren Krieg gleicht Köln einer Geisterstadt: Die Altstadt ist zerstört, kaum ein Gebäude mehr oberirdisch bewohnbar. Die hygienischen Verhältnisse sind katastrophal, die Strom-, Wasser- und Gasversorgung funktionieren nicht mehr. Hunger, Not, Erschöpfung und Orientierungslosigkeit prägen den Alltag der wenigen noch in Köln verbliebenen Menschen – aber auch Hoffnung und Erleichterung über das Ende der Bombenangriffe.

Unter alliierter Aufsicht beginnen der Wiederaufbau der Stadt und die Neuorganisation von Politik und Verwaltung, auch mit Beteiligung der alten NS-Elite. Eine Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und der individuellen Mitschuld an den NS-Verbrechen bleibt meist aus.

Einblick in den Alltag in Trümmern
Die Ausstellung hält auf facettenreiche Weise diese unmittelbare Nachkriegszeit in Köln fest. Im Mittelpunkt der eindrucksvollen Zeitreise steht ein 5 mal 5 Meter großes Stadtmodell, das Köln im Frühjahr 1945 zeigt und anschaulich das Ausmaß der Bombenschäden vermittelt. Es wurde in wochenlanger Detailarbeit für den preisgekrönten schwedischen Spielfilm „Über die Unendlichkeit“ (2019) von Roy Andersson erschaffen – als Requisite für die Schlüsselszene: dem Flug eines engumschlungenen Liebespaars über dem zerstörten Köln. Grundlage für das im Maßstab 1 zu 200 angelegte Modell waren zeitgenössische Luftaufnahmen der Alliierten.

Neben dem Modell lassen historische Fotos, Filme und Originalobjekte den Alltag der Menschen in der zerstörten Stadt lebendig werden. Sie erzählen vom täglichen Kampf ums Überleben, von Hungerdemonstrationen und CARE-Paketen, von Trümmerbeseitigung und Wohnungsnot, vom kulturellen Neustart – und vom Verdrängen und Verschweigen. Eine Installation aus Bildern, Zitaten und atmosphärischem Sound stellt dabei das Schicksal Kölns in den Kontext der globalen Zerstörungen durch den vom NS-Regime entfesselten Krieg. Darüber hinaus zeigt die Ausstellung die noch immer vorhandenen baulichen „Kriegsnarben“ in der Stadt und schlägt so den Bogen in die Gegenwart.

„Dieser wichtige Rückblick regt zum Nachdenken, zur Reflexion und Diskussion an“, so die Dezernentin für Kunst und Kultur, Susanne Laugwitz-Aulbach. „Hass und Krieg ziehen überall auf der Welt furchtbare Konsequenzen nach sich. Die Geschehnisse von damals sollten wir nie vergessen. Ich freue mich, dass wir diese wichtige Schau jetzt – unter Einhaltung aller Schutzmaßnahmen – endlich den Besucher*innen zeigen können“.

Corona-Schutzmaßnahmen

Der Besuch der Ausstellung ist nur mit vorheriger Terminvergabe möglich. Die Voranmeldungen können ab Freitag, 12. März 2021, online auf der Seite www.museen.koeln oder telefonisch montags bis sonntags von 10 bis 16.30 Uhr unter der Nummer 0221/221-22398 erfolgen.

Es kann nur eine begrenzte Personenzahl die Ausstellung gleichzeitig besuchen. Die Buchung der Zeitfenster ist nur bis 16 Uhr des Vortages möglich. Um die Sicherheit der Besucher*innen zu garantieren, wurden Eingang und Ausgang räumlich getrennt und die Abstände zwischen den Besucher*innen durch eine genaue Führung geregelt. Auch in der Ausstellung „KÖLN 1945“ gilt die Maskenplicht (FFP2-Masken / medizinische Masken).

Begleitband und digitale Angebote
Zur Ausstellung ist eine reich bebilderte Publikation erschienen, die für 14 Euro im Museumshop erhältlich ist (Yvonne Katzy, „KÖLN 1945. Alltag in Trümmern“, Köln 2020 (125 Seiten).

Das Museum hat darüber hinaus ein umfangreiches digitales Angebot zur Ausstellung entwickelt. Der Blog „KÖLN 1945“ greift – mit spannenden Beiträgen, eindringlichen Fotos und bewegenden Zeitzeugenzitaten – alle Themen der Ausstellung auf (www.koeln1945.blog). Auf dem YouTube-Kanal des Hauses finden sich 23 kurze Speedführungen, in denen Kuratorin Yvonne Katzy und Museumsdirektor Dr. Mario Kramp Einblick in die Ausstellung geben. Auch auf Facebook, Instagram und Twitter können die Kölner*innen auf vielfältige Weise digital an den Inhalten der Ausstellung teilnehmen. Das ursprüngliche, umfangreiche Begleitprogramm zur Ausstellung entfällt vorerst aufgrund der Corona-Pandemie.

Die Ausstellung wird unterstützt von Roy Andersson, seinem Produktionshaus Studio 24, den Freunden des Kölnischen Stadtmuseums e. V., Köln im Film e.V., der Privatbrauerei Gaffel und WDR 3.