Rombachs Finanztipps

Reich werden mit Veggie Aktien?

Wer Veggie Aktien in sein Depot nimmt, hat die Nachhaltigkeitsidee verinnerlicht, so scheint es, Camembert aus Cashewnüssen, das Veggieschnitzel, Lachs aus puren Algen und dann auch noch später einen fetten Kurszuwachs und möglicherweise Dividenden einheimsen, wer wollte das alles nicht als „Good Green Investor?

Beseelt von dieser Idee jubelten nicht wenige Fans, als „Veganz“ vor ein paar Tagen an die Börse ging. Going Public heißt das ja vornehm und der Chef und Gründer der Veganz Group, Jack Bredack brachte auch einen zünftigen Spruch dazu. „Unsere Vision ist es, möglichst vielen Menschen pflanzliche Ernährung zugänglich zu machen. Und um jetzt das zarte Pflänzchen richtig zum Blühen zu bringen, ist es wichtig, auch aus dem Kapitalmarkt eine gewisse Resonanz zu erfahren“, meinte Bredack und verband damit den Gedanken, „unseren vielen Kunden, Kundinnen die Chance zur Beteiligung zu geben.“ 

Klingt alles klasse. Aber halt nur auf dem Papier. Der Aufschlag auf dem harten Börsenparkett war umso härter.  Mit 87 Euro startete Veganz in den Börsenhandelt und so ziemlich schnell war klar, daß wird kein Selbstläufer. Im Gegenteil. Im Verlauf des ersten Börsentages rutschte die Aktie sogar auf 82 Euro ab und irrlichtert seitdem um das Niveau des Ausgabepreises herum.

Mit einer Ausnahme: Am vergangenen Donnerstag stieg der Wert um sieben Prozent auf 97 Euro. Bedeutet das also endlich die Trendwende nach oben?

Ehrlich gesagt, glaube ich das nicht, sondern führe den Anstieg auf den Umstand zurück, daß an der Börsennotiz „gedreht“ wird, in aller Schlichtheit Kursstabilisierungskäufe ausgeführt werden. Das ist a) peinlich und b) traurig und c) wenn die das wirklich nötig haben, kann es ja nicht so toll sein mit der Aktie.    

Zu meinem schlechten Gefühl passt auch die Tatsache, daß die Veganz Group vor Jahren schon mal als veganer Supermarktbetreiber mit eigenen Filialen gestartet war und nach kurzer Zeit aber in die Pleite rutschten. Unter dem nämlichen Chef übrigens.  

Und was ist mit Beyond Meat?

Nun gilt allerdings weiterhin die Marschrichtung, daß gerade in Zeiten des Klimawandels viele Menschen auf alternative Ernährung setzen und der Absatz von Fleischersatzprodukten weltweit weiter wächst. 

Das heißt doch ganz praktisch, daß ansonsten Veggie Aktien weiterhin eine klasse Investmentidee sind? Immer vorausgesetzt, der Anleger greift eben nicht nach Veganz, sondern nach Beyond Meat, Impossible Foods oder Maple Leaf Foods. Der Marktführer Beyond Meat galt jahrelang als glamouröse Vorzeigeaktie mit immer nur einer Richtung: steil nach oben.

Doch die goldenen Zeiten sind längst vorbei. Von Glamour zum Elend scheint mittlerweile bei Beyond Meat eher angesagt zu sein. Vom ehemaligen Top-Kurs von 234 US Dollar noch vor zwei Jahren hat sich Beyond Meat vor allem in diesem Jahr stetig nach unten bewegt. Derzeit ist eine Aktie nur noch rund 77 Dollar wert und es ist meines Erachtens noch nicht die Talsohle erreicht.

Fundamental lässt sich das durchaus auch gut begründen. Nach allem, was sich aus Geschäftsberichten so herauslesen lässt, ist die Begeisterung für vegane Fleischprodukte in den letzten Monaten erheblich abgeflacht und skizziert damit eine verblüffende Diskrepanz zwischen der öffentlichen Wahrnehmung und den tatsächlichen Verbrauchergewohnheiten, der Werbung sowieso. 

Kalt erwischt mit veganen Burgern

Sieht also ganz so aus als wäre der Hype um Veggie Aktien weltweit vorbei. Quasi kalt erwischt mit veganen Burgern. Aus lauter Verzweiflung erwäge ich jetzt, wenigstens noch eine Braueraktie wie Anheuser-Busch (wäre ja auch veggie) ins Depot zu nehmen plus einen Kasten davon im Supermarkt zu kaufen. (Achtung, Späßle). Prost, trotzdem.

 

Und zum Schmunzeln noch mein „Knallbonbon der Woche“ 

Mit dem ganzen Brimborium um die Notwendigkeit von nachhaltigen Fonds kann man sich noch gedanklich arrangieren. Die Idee ist ja vielleicht gut, doch deren Ausgestaltung lässt manchen Fondsmanager zweifeln. Oder verzweifeln, wer weiß das schon.

Gleichwohl, wer Nachhaltigkeit predigt, muss sich nicht wundern, wenn manche Anbieter auch auf abstruse Ideen kommen. 

Die Investmentfirma Saturna Capital und der Fondsanbieter „hanetf“ legen just einen aktiv gemanagten ETF mit Fokus auf „islamkonforme“ Aktien auf. Der heißt „Saturna Al-Kawthar Global Focused Equity ETF“. Schickes Teil.  

Der Fachmann wundert sich durchaus, seit wann sind ETF aktiv gemanagt? 

Der Laie fragt sich, was „islamkonforme“ Aktien sind und bleibt ratlos zurück.  

Nicht überliefert ist, ob sich manche in Rom ärgern, nicht selber auf so eine tolle (Schnaps) Idee gekommen zu sein.  

Liebe Abonnenten des Bilderbogen: Falls Sie auch eine Frage rund ums Geld haben, immer zu. Schreiben Sie an rombach@derboersebius.de 

Ich freue mich. 

Bleiben Sie mir gewogen, ich bin Ihnen ebenso verbunden. Über Anregungen für Themenvorschläge freue ich mich sehr.

Stets, Ihr
Reinhold Rombach
„Börsebius“ 

Unser Gastkommentator Reinhold Rombach ist einer der bekanntesten Börsenexperten Deutschlands und lebt schon lange in Rodenkirchen. Er beschäftigt sich seit über 25 Jahren mit börsennotierten Gesellschaften, mit Aktien und Fonds, analysiert ihre Stärken und Schwächen. Seine Meinung über Geld&Börsen veröffentlichte er früher als Kolumnist in der Zeit (aber auch in der Wirtschaftswoche und der Süddeutschen Zeitung) und mehr als ein Vierteljahrhundert im Deutschen Ärzteblatt als „Börsebius“. Seine Fans nennen ihn aber auch den „Kostolany vom Rhein“ oder das „Kölsche Orakel“.  Rombach´s spannende wöchentliche Kolumnen und eine Aktien-TopTen-Masterliste erscheinen im Web unter www.derboersebius.de