Rombachs Finanztipps

Risiken allerorten

Autsch! Am vergangenen Montag war es soweit. Die Angst vor einer Pleite des chinesischen Immobilienkonzerns Evergrande führte weltweit zu deutlich sinkenden Kursen. Panik war bei vielen Anlegern auszumachen. Der DAX rauschte um 2,3 Prozent in die Tiefe.  Fatale Erinnerungen an die Lehman-Pleite waberten durch die Börsensäle.

Doch die Panik hielt nur einen Tag. Im Laufe der Woche stiegen die Kurse munter nach oben. Zwar nicht auf das Vortagsniveau, wenn auch einige Finanzjournalisten den Anstieg um gut 1,43 Prozent gebührend fast schon als „Wende“ deklarierten. Dabei scheinen manche Kollegen zu übersehen, daß eine Aktie, wie etwa Evergrande, die bereits 50 Prozent gefallen ist, noch lange nicht wieder auf dem Ausgangsniveau ist, wenn sie 50 Prozent steigt. Milchmädchen lässt grüßen.

Die Fakten bleiben, die Risiken auch.  

Nach wie vor gilt – trotz aller Beschwichtigungsversuche – aber, daß Evergrande 300 Milliarden Dollar Schulden vor sich her schiebt, etliche Zinszahlungen offen sind und Sorgen vor einer systemischen Krise und Ansteckungseffekten immens sind. 

Evergrande sind aber weiß Gott nicht der einzige Belastungsfaktor für die internationalen Finanzmärkte. Der bei Redaktionsschluss noch offene Ausgang der Bundestagswahl könnten den Akteuren zusätzlich ziemlich die Stimmung verhageln. 

Außerdem ist es eine ausgemachte Sache, daß die US-Notenbank Federal Reserve langsam erst macht mit dem sogenannten „Tapering“, will heißen eine Einhegung der unkontrollierten und ungezügelten Bondkaufprogramme. 

Fazit: Herbststürme sind auch an den Börsen nicht auszuschließen. Die Risiken sind unübersehbar.

 

Und zum Schmunzeln noch mein „Knallbonbon der Woche“ 

Konto überzogen? Kein Problem, die Banken lieben derartige Klientel, bringen sie doch reichlich Kohle ein. 

Trotz Nullzinsphase: Die Gebühren für Dispozinsen liegen derzeit mit gut 9,2 Prozent jenseits von Gut und Böse, genauer mehr bei hinterhältig. 

Schon erstaunlich, daß sich die Politik nicht für die armen Überzieher ins Zeug legt und den Banken die Leviten liest. Ich jedenfalls habe im Wahlkampf dazu keinen Ton gehört. Dabei ist vermutlich jeder fünfte Wähler ein Betroffener von Kontoüberziehungen. Welch ein Wählerschatz, der hier ungenutzt verplempert wird. 

Selbst von Alleskümmerern war hier nichts zu vernehmen. Schade drum.  

Liebe Abonnenten des Bilderbogen: Falls Sie auch eine Frage rund ums Geld haben, immer zu. Schreiben Sie an rombach@derboersebius.de 

Ich freue mich. 

Bleiben Sie mir gewogen, ich bin Ihnen ebenso verbunden. Über Anregungen für Themenvorschläge freue ich mich sehr.

Stets, Ihr
Reinhold Rombach
„Börsebius“ 

Unser Gastkommentator Reinhold Rombach ist einer der bekanntesten Börsenexperten Deutschlands und lebt schon lange in Rodenkirchen. Er beschäftigt sich seit über 25 Jahren mit börsennotierten Gesellschaften, mit Aktien und Fonds, analysiert ihre Stärken und Schwächen. Seine Meinung über Geld&Börsen veröffentlichte er früher als Kolumnist in der Zeit (aber auch in der Wirtschaftswoche und der Süddeutschen Zeitung) und mehr als ein Vierteljahrhundert im Deutschen Ärzteblatt als „Börsebius“. Seine Fans nennen ihn aber auch den „Kostolany vom Rhein“ oder das „Kölsche Orakel“.  Rombach´s spannende wöchentliche Kolumnen und eine Aktien-TopTen-Masterliste erscheinen im Web unter www.derboersebius.de