Alt sein ist ein herrlich Ding, wenn man nicht verlernt hat, was anfangen heißt“, meinte der österreichisch-israelische Philosoph Martin Buber, der im Alter von 87 Jahren verstarb. Viele Menschen verbinden mit dem Alter Einsamkeit, körperliche Gebrechen, Demenz und Pflegeheim – kein Wunder, dass sie Angst vor dieser Lebensphase haben. Auch wenn das Älterwerden nicht unbedingt ein Zuckerschlecken ist, kann uns auch viele positive Seiten mit sich bringen: mehr Zeit für sich, für Hobbies, für Reisen, mehr Gelassenheit, mehr Lebenserfahrung. Zumal heute die Menschen heute zwischen 60 und 80 meist noch sehr fit sind und schon lange nicht mehr zum alten Eisen gehören, sondern die sogenannten „best ager“ darstellen. Man muss sich aber darauf einlassen können und – so wie Buber erklärte – sich Fähigkeit und Mut bewahren, Neues anzufangen. Und: Älterwerden ist gar nicht so schlecht, wenn man die Alternative bedenkt,” fand der französische Schauspieler Maurice Chevalier.

Wir fragen Sie: 

Was ist für Sie das Gute am Älterwerden?

 

Hans Bott, Weiß, 78 Jahre
 

Positiv sehe ich den veränderten Blick auf die Welt: Man bleibt gelassener angesichts tatsächlicher oder vermeintlicher Fehler zum Beispiel der Politik; großzügiger bei den Enkeln als bei den eigenen Kindern usw. Insgesamt erweitert sich die Akzeptanzspanne und sah man als 30-Jähriger die Menschen jenseits der 60 oder 70 als uralt an, so fühlt man sich heute nahe der 80 noch mittendrin. Letzteres, obschon man durch zunehmende Höflichkeits- und Rücksichtsbekundungen jüngerer Menschen im positiven Sinne immer wieder mal auf sein Alter aufmerksam gemacht wird.

Das Genießen guten Essens nimmt einen größeren Raum ein – im optimalen Falle wird es selber gekocht.

Das Vermögen, seine Zeit weitestgehend einteilen zu können, ist nicht zu unterschätzen: Man verteilt seine Zeit auf notwendige Arbeiten, Hobbys, Arztbesuche, Freunde, Lesen, Fernsehen und sonstige Dinge in sinnvoller Stückelung.

Von der Natur vorgegebene Einschränkung: Alles Schöne wird zunehmend abhängiger vom gesundheitlichen Zustand. Aber eben deshalb, ihr Älteren: Genießt das Leben! Solange wie ihr könnt!

 

Helene Nau, Sürth, 74 Jahre

Das ist eine interessante Frage, über die es sich nachzudenken lohnt. Das Gute am Älterwerden hat für mich so viele Gesichter, dass es gar nicht so leicht ist, drei davon hervorzuheben. Also:

  • Zeit für neue, interessante Beschäftigung mit Dingen und Menschen, für die im Berufsalltag keine „Luft“ war, zum Beispiel Mitgliedschaft in Fördervereinen von tollen Vereinen / Museen.
  • Mitarbeit in sozialen Projekten, die zum Kennenlernen und besseren Verstehen anderer Menschen verhilft;
  • mir sehr wichtig: Lernen, dass Veränderung zum Leben gehört (zum Beispiel Sprache; Lebensgewohnheiten) und diese für mich selbst auch zu akzeptieren.

 

Ralf Perey, Weiß (63 Jahre seit 30. Mai)
 

Auf jeden Fall hat das Alter etwas Gutes, abgesehen von den immer mehr werdenden Abschieden von lieben Menschen. Da ich mittlerweile zur Ü60-Generation gehöre, profitiere ich von den schlechten und guten Erfahrungen, die ich gemacht habe und bin dadurch wesentlich gelassener und tue es mir leichter mit schnellen Entscheidungen.

Das geht nur im Alter: Erst wenn man selbst Kinder und Enkel hat, weiß man den Wert der Familie noch mehr zu schätzen. Diese Erfahrung ist unbezahlbar und hält einen jung, zumindest im Kopf.

Ich finde im Alter ist es noch wichtiger Freunde zu haben, mit denen man das Leid und die Freude teilen kann. Es ist sehr schön gemeinsam die einfachsten Dinge zu genießen.

Am 18. Geburtstag 1976

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